Bertha


Vince saß allein in seinem Wohnzimmer, es war späte Nacht und Vince nicht mehr nüchtern.
Er nippte gelangweilt an seinem Scotch, die leise Musik aus dem Radio rieselte langsam durch seinen Kopf ohne wirklich hängen zu bleiben.
Die Luft war stickig, Vince hatte selten ein Fenster offen, blaue Rauchschwaden zogen durch den Raum.
Vince stand auf, aus einem für ihn unerklärlichen Grund ging er zur Balkontür, öffnete sie und trat hinaus in die kühle Nacht.

Es war verhältnismäßig still auf dem Autobahnzubringer direkt unter ihm, ein Bus näherte sich der Haltestelle die direkt unter seinem Balkon lag.
Der Bus hielt, und Sekunden Sspäter war er auch schon wieder im Dunkel der Nacht verschwunden,
Zurück blieb nur ein krumm gebeugtes Etwas, das im entferntesten an einen Menschen erinnerte.
Vince sah genauer hin, es schien eine alte Frau zu sein, einen Rollator vor sich her schiebend trippelte sie langsam los.
Minuten später war sie schon 15 Meter weiter.

An der Ampel hielt sie an, und wartete auf Grün obwohl nicht ein Auto auf der Straße zu sehen war.
Es wurde Grün, die Alte trippelte los.
Bis sie die Verkehrsinsel in der Mitte der Straße erreichte wechselte die Fußgängerampel 2 mal von Grün auf Rot.
An der kleinen Bordsteinkante der Verkehrsinsel blieb sie mit ihrem Rollator hängen.
Sie zerrte, schob, zog doch alles vergebens, sie bekam das Ding nicht über die 2 Zentimeter hohe Kante.

Vince nahm einen kleinen Schluck von seinem Scotch, leicht amüsiert über das Schauspiel das sich ihm da bot.
Da kippte die Alte mitsamt Rollator seitlich weg und fiel hin.
Da saß sie nun, die Beine auf der Fahrbahn und man konnte sehen das sie alleine nicht mehr hoch kam.
Vince stellte sein Glas auf den kleinen Tisch den er auf dem Balkon stehen hatte.

“ Brauchen sie Hilfe “ rief er.
Keine Antwort.
Vince fluchte kurz, bevor er ins Wohnzimmer ging, sich Schuhe anzog, den Haustürschlüssel griff und mit schnellen Schritten seine Wohnung verließ um der Alten auf zu helfen
Es waren nur wenige Meter, da stand er auch schon neben ihr.
“ Komm Mütterchen, ich helf dir hoch, du kannst doch da nicht sitzen bleiben “ sagte Vince, die Alte drehte den Kopf und sah ihn an.
Das Gesicht war von Falten zerfurcht, die Augen trüb und man konnte sehen das die Alte schon einiges durchgemacht hatte in ihrem Leben.

Vince fasste sie sanft am Arm, und versuchte sie hoch zu ziehen.
Da schüttelte die Alte den Kopf.
“ Lass nur Junge, ich bleib hier öfter hängen, eine kleine Pause wird mir gut tun “
Sie griff in die Tasche die an ihrem Rollator hing, zog eine Flasche Wodka heraus, guten Stoff, kein Billigzeug.
Sie schraubte die Flasche auf, nahm einen kräftigen Schluck und hielt Vince dann die Flasche hin.
Auch er gönnte sich einen kräftigen Hieb, und gab ihr die Flasche wieder.

Dann musste Vince laut lachen, setzte sich neben die Alte auf den kalten Boden und sah sie an.
Beide tranken abwechseln bis die Flasche leer war.
Plötzlich hielt direkt vor ihnen ein Auto, blaues Licht blinkte auf und schon standen die Bullen vor ihnen.
Der eine eher klein, schon ausgeprägte Glatzenbildung, dafür einen Bauch der sich sehen lassen konnte.
Der andere hager, tief liegende Augen und eine Hakennase, in den gelben Fingern eine halb gerauchte Zigarette.

“ Die könnten echt aus einem schlechten Film sein “ sagte Vince, und die Alte lachte laut auf.
Vince zog lässig seine Zigaretten aus der Jackentasche, steckte sich eine in den Mund und bat um Feuer.
“ Ich geb dir gleich Feuer, hier alte Frauen auf den Boden zu zerren und womöglich auch noch aus zu rauben “ keifte die Hakennase
Der Dicke stand nur daneben, sein Kopf wurde rot und seine wulstigen Lippen pressten sich fest aufeinander.

Da stand die Alte auf, sah die beiden Polizisten an und spuckte vor ihnen auf den Boden.
“ Seht zu das ihr weiter kommt, sonst setzt das gleich was, der Junge wollte mir helfen und ich hab ihn halt auf einen Drink eingeladen “
Sie zog Vince am Arm hoch, klopfte ihm auf die Schulter und tätschelte ihm die Wange.
“ Ich bin Bertha, ich wohn da drüben in dem kleinen Haus, wenn du mal wieder Durst hast, komm rüber und wir heben einen, ich hab immer guten Stoff da “

Dann drehte sie sich um, und trippelte weiter ihren Weg.
Die Polizisten starrten ihr so verdattert nach das Vince die Gelegenheit ergriff und in die andere Richtung wegging,
durch den schmalen Weg ums Haus herum zur Haustür.
Er schloss auf, machte kein Licht an und hetzte die Treppe hoch..
Erst als er die Wohnungstür hinter sich schloss atmete er auf, Bullen hatten ihm gerade noch gefehlt.

Er machte das Licht aus und trat im Dunkeln wieder auf seinen Balkon.
Der Streifenwagen stand immer noch da, das Blaulicht an und die 2 Bullen starrten ins Leere,
denn von Bertha war auf der Straße nichts zu sehen.
Vince schenkte sich einen Scotch nach, und ging zurück auf den Balkon, die Bullen waren verschwunden.

Er blickte hinüber zu dem Haus auf das Bertha gezeigt hatte, in einem Fenster brannte noch Licht aber es war niemand zu sehen.
Vince seufzte leise, ging ins Wohnzimmer und schloss die Balkontür hinter sich.
Er ließ sich auf seinen Stuhl fallen und grinste.

Auf der anderen Straßenseite saß Bertha ihrem Polstersessel, einen frischen Drink in der Hand und lächelte stumm vor sich hin.

“ Wenn ich den Knackarsch ein paar Jahre früher getroffen hätte…. “

Die Titte


Stille, den ganzen tag schon nichts als Stille.
Vincent war abgekapselt von der Welt draußen vor seiner Tür, nichts drang durch.
Nur die Musik in seinem Kopf spielte unaufhörlich weiter.
Auf seinem Tisch stand ein überquellender Aschenbecher, ein Glas, halb voll mit Whisky und ein überdimensionales Abbild einer Titte.
Er hatte dieses Dings von Wally geschenkt bekommen, der grundsätzlich nur pornografisches verschenkte, so wie damals als er seinen Eltern zur goldenen Hochzeit mit einer Packung Viagra aufwartete.
Vincent saß da nun und starrte auf diese Titte.

Die Zigarette war längst verqualmt, aber das interessierte ihn in diesem Moment einen feuchten Dreck.
Wessen Titte ist das wohl dachte er, irgendeine Ische muss doch Modell gestanden haben für dieses Ding aus gebranntem Ton.
Er malte sich die Frau zur Titte in seiner Fantasie zurecht, und irgendwie gefiel ihm die Vorstellung es sich mit ihr mehr als nur gemütlich zu machen.
Er drehte und wendete die Titte vor sich, betrachtete sie von allen Seiten und schaukelte sich hoch.
Seine Boxershorts spannte schon gewaltig als es plötzlich klopfte.

Fluchend stand Vincent auf und ging zur Tür.
„Wer ist da ?“
„Ich bins, Wally“ kam die Antwort.
„Hau ab, ich will allein sein“ knurrte Vincent durch die verschlossene Tür.
Wally hörte nicht auf zu klopfen.
„komm schon Vince, mach auf, ich muss mit dir reden“

Einen tiefen Seufzer ausstoßend öffnete Vincent die Tür, wissend das Wally sowieso nicht locker lassen würde ehe er ihn reinließ.
Fett grinsend stand Wally auch schon im selben Moment in seinem Wohnzimmer.
„Verdammt Wally, musst du auch immer zu den unmöglichsten zeiten mir die Bude einrennen ?“
Wally zuckte nur mit den Schultern: “ Vince Mann, du bist doch der einzige Freund den ich noch habe, keiner redet mehr mit mir, keine Ahnung warum, dabei schenke ich ihnen doch dauernd die geilsten Sachen“
Vincent lachte laut auf, schlug Wally kräftig auf die Schultern, wohl wissend was Wally so alles in letzter zeit verschenkt hatte.
Angefangen von harmlosen Bikinifotos seiner eigenen Schwester über Salatgurken mit eingebauter Gleitcremetube bis hin zu Landschaftsbildern aus Wallys Schamhaaren, aufgeklebt auf ein Stück Wellpappe.

„Wally du bist echt krank, weisst du das eigentlich ?
Warum verschenkst du eigentlich all diesen Schmutz, immer hat es mit der Fickerei zu tun, warum machst du das ?“
Wally walzte seine 140 Kilo auf das Sofa auf dem eben noch Vincent gesessen hatte, griff sich die Titte und hob sie hoch.
„Siehst du das Vince ? diese perfekte Schönheit, dieses Meisterwerk an erotisierender Kunst.
Weil es nichts erregenderes gibt als Sex, darum mach ich das“
Wally schwang bei diesen Worten die Tittenskulptur über den Tisch.

„He Wally lass sie nicht fallen, mir gefällt die Titte“ zischte Vincent, besorgt darum das Bild der Frau von der Titte aus dem Kopf zu verlieren.
„Du magst sie ?“ fragte Wally erstaunt.
„Verdammt ja, ich mag sie, das Weib zu dieser Titte muss das schärfste auf dieser Welt sein“ erwiderte Vincent, breit und schmutzig grinsend.
Wally erhob sich, seine Gesichtszüge waren plötzlich wie erstarrt, er kniff die Augen zusammen und sah in diesem Moment sehr sehr gefährlich aus mit seinen 190cm und 140 Kilo.

Er ging auf Vincent zu, hob die Arme und….

Vincent wich zurück, erschrocken von dem ernsten Gesichtsausdruck den Wally an den Tag legte.
Wally begann sich das Hemd aufzuknöpfen.
Er schob sich das darunterliegende T-Shirt hoch und zeigte Vincent seine linke Brust.

„NENN MICH NOCH EINMAL WEIB UND ICH REIß DICH IN FETZEN VINCE“

Frieden im Park


Warm und angenehm blies der Wind in sein Gesicht, er mochte es wie er ihn umschmeichelte, seine Haare tanzen ließ und sich dann aus dem Staub machte.
Lange schon saß Vincent auf der Bank im Park, vor sich hinträumend und hin und wieder an seinem Flachmann nippend.
Es war ein guter Tag, nichts zu tun an diesem Frühlingsnachmittag, keine Pflichten die es zu erfüllen gab.

Eine Bank weiter saß dieser alte Mann der, die Augen geschlossen, sein Hemd bis zum Bauch aufgeknöpft, sich die Sonne auf seinen runzligen Bauch scheinen ließ.
Irgendwie schien es Vincent als ob er und dieser alte Furz etwas gemeinsam hätten, es kam ihm vor als hätten sie das selbe Ziel, nichts tun.
Er konnte seine Augen nicht mehr abwenden von diesem alten Mann, wollte wissen was in ihm vorging.
In seinem Kopf malte er sich aus was er wohl gerade denkt, warum er hier sitzt, was ihn hierher gebracht hat.
Beinahe schon wäre Vincent aufgestanden und zu ihm hinübergegangen um ihn zu fragen, doch kam er zu dem Gedanken das der alte Mann genau wie er seine Ruhe haben wollte, also ließ er es bleiben.

2 Stunden vergingen wie im Flug, unmerklich wie der Wind an seinem Gesicht vorbeistrich, flog die Zeit dahin.
Die Sonne schickte sich so langsam an unterzugehen, es wurde kühler, der Wind stärker.
Vincent erhob sich, knöpfte seine Jacke zu und machte den ersten Schritt in Richtung Heimat.

Er ging an dem alten Mann vorbei, der da noch immer saß, das Hemd offen, den Bauch frei und die Augen geschlossen.
“ Er muss doch frieren “ dachte Vincent, und im selben Moment blieb er stehen, und sprach es aus:
„ist ihnen nicht kalt ? “
Der alte Mann rührte sich nicht.
Vincent legte seine Hand auf die Schulter des Mannes und rüttelte leicht an ihm, keine Reaktion.
Er verstärkte das Rütteln und wesentlich lauter wiederholte er seine Frage.
Noch immer reagierte der Alte nicht.

Ob er vieleicht tot ist ? Dieser Gedanke durchzuckte Vincent wie ein Stromschlag.
“ He Alter, rühr dich endlich, einfach hier Abkratzen ist ja echt nicht drin “
Aus dem Mund des Alten fur ein lauter Rülpser, stinkend und nach Fusel riechend.

“ Er rülpst, ist besoffen und pennt, also muss er noch leben “ dachte sich Vincent und drehte sich weg, etwas angewiedert vom Geruch den dieser Rülpser in sich hatte.
Vince beschloss den Alten seinen Rausch ausschlafen zu lassen und ging weg.
Er nahm noch einen Schluck aus seinem Flachmann, verliess den Park und ging die Strasse runter zu seiner Wohnung.

Im Park der Alte Mann kippte währenddessen seitlich weg, rollte von der Bank und fiel dann direkt auf sein Gesicht.
Das Nasenbein krachte als es beim Aufprall brach, doch davon spürte der alte Mann nichts mehr, denn er war seit Stunden Tot.

Alk Fiction


Er drückt die Klingel, 3 mal kurz, das Signal das zeigen soll das er kein Bulle ist, das er hierher gehört.
T. Macht ihm auf, sie ist dünn geworden, sehr dünn, eigentlich nur noch Haut und Knochen.
In ihrem Gesicht machen sich Pickel breit, sie sieht aus als hätte sie sich wochenlang nicht gewaschen.
Sie war mal richtig hübsch, hatte einen tollen Körper und arbeitete in guten Animierläden für gutes Geld.
Er stand mal auf sie, mit ihrem frechen grinsen und den neckischen Augen. Doch nichts davon ist übrig, sie ist nur noch ein Schatten von einem Menschen.
Die Wohnung ist dreckig und stinkt nach Hundepisse und manch anderem.
Alles liegt rum wie auf einer Müllhalde, ihn ekelt als er eintritt.

“ Ich wollt euch mal besuchen, mal sehen wies euch geht “ sagt er:
“ F. ist im Knast“ bringt sie beinahe Teilnahmslos die Fakten auf den Tisch. “ Sie haben ihn verpfiffen und es drohen ihn 4 Jahre Knast, er sitzt in U-Haft . Mich haben sie gehen lassen weil ich den Negerdealer verpfiffen hab bei dem wir grade was holen wollten als sie uns aufgehalten haben )
Ein Gefühl von Angst durchzuckt seinen Körper, er beginnt zu schwitzen, will nur noch raus, Gedanken wirbeln ihm durch den Kopf.“ Was wenn sie auch meinen Namen ausgeplappert hat, nur um nicht in den Knast zu müssen gibt sie jedes Opfer, da gibt es keine Freunde “
Er weiss nicht warum, aber er willigt ein und fährt mit ihr los um was zu holen, ein halbes Gramm nur, er weiss das es nicht wie damals sein wird, diesmal wird er gehen wenn der Stoff alle ist, er wird nicht sein letztes Geld verbraten für den kurzen schnellen Rausch.

Das Crack gibt ihm keinen Kick mehr, es passiert nichts, er braucht es nicht mehr, spürt das es egal ist ob er raucht oder nicht.
Und tatsächlich, als es zu Ende ist, geht er, geht ohne sich umzusehen, das Geld in seiner Tasche fühlt sich warm an, es ist gut nein zu sagen.
Zurück bleibt eine total abgerissene Junkiebraut deren Leben eigentlich schon vorbei ist, die es aber noch immer nicht gemerkt hat.
Er weiss, er wird nicht wiederkommen, niemals.

Dieses Leben ist vorbei.

Sonntag


Sonntag

Die ganze Woche immer das selbe, morgens aufstehen, frühstücken mit der  Gruppe, die 30 Meter rüber zur Schule gehen,
büffeln,  30 Meter wieder zurück, Hausaufgaben, die Vorzüge einer Heimerziehung geniessen,
Abendessen, bisschen Gesellschaftsspiele,
21 Uhr: “ ab ins Bett und Licht aus.
Ganz leise im Radio Ö3 hören, Kassetten aufnehmen, am Fenster eine rauchen und hoffen bis am nächsten Morgen riechen
es die Erzieher nicht.

TOTAL ÖDER HEIMALLTAG

Doch dann, es wird Sonntag, ein Brauner  Simca oder Chrysler,  ( ich weiss es nicht mehr genau )
rollt auf den Hof des Heims.
Ich steige ein, es geht los, wir lachen, erzählen uns was so los war die letzte Zeit, fahren und vergessen den ganzen Scheiss der uns belastet.
Seine Probleme mit dem alten Herrn, die Nächte die er auf der Pritsche im Bereitschaftsraum gepennt hat, weil er keinen Bock hatte nach Hause zu gehen.
Meine Ausbüchsereien aus dem Heim, wie weit ich gekommen bin, wo ich war.
Wir haben immer das selbe Ziel, eine imbissbude an der Bundesstrasse.
Frisch gebratene Hamburger mit roten Zwiebeln.
Ich bekomme ein kleines Bier, es ist ihm egal das ich noch nicht 16 bin,
er behandelt mich wie seinesgleichen, redet mit mir nicht wie mit einem Kind, sondern wie mit einem Freund.

Ich geniesse diese Sonntage und wünsche mir jedes mal den nächsten herbei, denn Sonntag ist der Tag an dem ich mich nicht fühle wie ausgekotzt.
Denn am Sonntag bin ich mit meinem besten Freund unterwegs.
Dem einzigen den ich zu der Zeit wirklich habe.
Es ist an der Zeit, 30 Jahre später einmal Danke zu sagen zu dem Menschen der da war für mich.

Meinem Bruder.